Ein Jubiläum ist noch keine Geschichte. Aber es kann eine werden.

Wie ich an die Kommunikation eines Firmenjubiläums herangehe – und warum ich nicht mit der Medienmitteilung beginne.

20 Jahre. Ein runder Geburtstag. Ein guter Grund zum Feiern.

Für ein Unternehmen ist ein solches Jubiläum ein Meilenstein. Für die Öffentlichkeit zunächst einmal eine Zahl. Und genau hier beginnt meine Arbeit als Kommunikationsfachmann.

Aktuell darf ich ein Unternehmen bei der Planung und Kommunikation seines 20-jährigen Jubiläums begleiten. Drei Tage voller Veranstaltungen, Begegnungen und besonderer Erlebnisse. Meine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass daraus mehr wird als ein gelungenes Fest.

Zuerst zuhören. Dann kommunizieren.

Wenn ich einen solchen Auftrag übernehme, beginne ich nicht mit einem Werbeplan oder einer Medienmitteilung. Ich beginne mit Fragen.

Warum gibt es dieses Unternehmen? Was hat sich in den vergangenen 20 Jahren verändert? Welche Menschen haben seine Geschichte geprägt? Und vor allem: Warum sollte das jemanden interessieren, der nicht ohnehin schon Kunde ist?

Denn ein Jubiläum ist für mich keine Geschichte, nur weil ein Unternehmen Geburtstag hat. Spannend wird es erst, wenn wir herausfinden, was hinter dieser Zahl steckt.

Vielleicht ist es eine ungewöhnliche Gründungsgeschichte. Eine mutige Entscheidung. Ein Rückschlag, der beinahe alles verändert hätte. Oder eine Person, ohne die es das Unternehmen heute gar nicht gäbe.

Das sind Geschichten, die Menschen interessieren. Und genau die suche ich.

Ein Anlass. Viele Geschichten.

Bei einem Jubiläum denken viele zuerst an Einladungen, Werbung, ein Festprogramm und vielleicht einen Zeitungsartikel.

Das gehört dazu. Aber ich denke gerne etwas weiter.

Warum nicht ehemalige Mitarbeitende zu Wort kommen lassen? Die Geschichte des Unternehmens in einem kurzen Dokumentarfilm erzählen? Einen Podcast mit den Menschen produzieren, die das Unternehmen geprägt haben? Oder eine Jubiläumszeitung gestalten, die auch Monate später noch gerne gelesen wird?

Dabei geht es nicht darum, möglichst viel Content zu produzieren. Sondern darum, aus einer guten Geschichte die richtigen Inhalte für die richtigen Menschen zu entwickeln.

Ein einziges Interview kann beispielsweise die Grundlage für einen Film, mehrere Social-Media-Beiträge, einen Medienartikel und einen Newsletter bilden.

Mein wichtigster Tipp: Denkt vom Publikum her.

Eine Frage stelle ich mir bei praktisch jedem Kommunikationsprojekt:

«Weshalb sollte mich das interessieren?»

Und zwar aus Sicht des Publikums.

Die Geschäftsleitung interessiert sich für die Unternehmensgeschichte. Die Mitarbeitenden möchten vielleicht wissen, welche Rolle sie dabei spielen. Die Medien suchen eine relevante Geschichte. Und potenzielle Gäste möchten wissen, weshalb sie vorbeikommen sollen.

Alle sprechen wir über dasselbe Jubiläum. Aber nicht mit allen auf dieselbe Weise.

Deshalb definiere ich früh, wen wir erreichen möchten, welche Botschaft für diese Menschen relevant ist und über welche Kanäle wir sie am besten ansprechen.

Erst danach geht es an Medienarbeit, Werbung, Social Media und die konkrete Content-Produktion.

Gute Kommunikation beginnt lange vor dem Fest.

Ein weiterer Punkt, den ich bei solchen Projekten wichtig finde, ist das Timing.

Wer erst zwei Wochen vor einem Jubiläum mit der Kommunikation beginnt, verschenkt enormes Potenzial.

Ich denke lieber in drei Phasen: Vorfreude wecken, Erlebnisse begleiten und Erinnerungen verlängern.

Vor dem Anlass erzählen wir Geschichten, stellen Menschen vor und machen neugierig. Während der Feierlichkeiten entstehen authentische Bilder, Interviews und Eindrücke. Und danach? Da beginnt oft erst die eigentliche Wirkung guter Inhalte.

Denn ein gelungenes Jubiläum sollte nicht am Montag nach dem Fest aus den Köpfen verschwinden.

Am Ende geht es nicht um 20 Jahre.

Es geht um Menschen. Um Entscheidungen, Begegnungen, Erfolge und manchmal auch um Fehler. Um all das, was ein Unternehmen zu dem gemacht hat, was es heute ist.

Meine Aufgabe sehe ich darin, diese Geschichten zu entdecken, ihnen eine Form zu geben und sie so zu erzählen, dass andere gerne zuhören.

Denn gefeiert wird ein Jubiläum an einem Wochenende. Eine gute Geschichte bleibt deutlich länger.

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Zwischen Herd, Kamera und grossen Träumen